Im Dialog mit: Achim Rahn

Shownotes

Aufgerundet zehn Prozent der deutschen Bevölkerung muss mit einer Schwerbehinderung durch den Alltag navigieren. Und natürlich gibt es auch an der CAU Menschen in der Forschung, der Lehre, unter den Studierenden und im technisch-administrativen Dienst, die schwerbehindert oder chronisch erkrankt sind. Vertreten werden die Interessen der schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Beschäftigten von der Vertrauensperson der Schwerbehinderten.

Und seit 2016 ist dies Achim Rahn. In Folge #3 von "wissen.schafft.dialog. Der CAU-Podcast" erzählt er, warum er dieses Wahlamt überhaupt bekleidet, was die Aufgaben der Schwerbehindertenvertretung sind und warum er und sein Team es nicht immer allen Recht machen können, sie aber trotzdem stets ihr Bestes geben.

Weitere Infos zur Schwerbehindertenvertretung der CAU gibt es im Web.

Transkript anzeigen

00:00:00: Wichtig ist, dass wir im Gespräch sind und dass wir niemanden vergessen.

00:00:05: wissen.schafft.dialog. Der CAU-Podcast.

00:00:16: Moin moin liebe Hörerinnen und Hörer zu Hause und an den mobilen Hörgeräten. Herzlich willkommen zu wissen.schafft.dialog. dem CAU-Podcast. Mein Name ist Daniel Mumme und ich freue mich, dass Sie heute zuhören. Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, worum soll es heute gehen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige von Ihnen mit einer Schwerbehinderung und/oder einer chronischen Krankheit durch den Alltag navigieren müssen. Oder Sie kennen jemanden aus Ihrem näheren oder entfernten Bekannten- oder vielleicht auch aus dem Kolleginnen- und Kollegenkreis, der oder die schwerbehindert oder chronisch erkrankt ist. Und ich habe einmal nachgeschaut: Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass aufgerundet ca. 10 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einer Schwerbehinderung leben muss. Und darunter fallen jetzt noch nicht mal die Personen, die ebenfalls mit starken Einschränkungen im Alltag leben müssen, die aber per Gesetz eben nicht als schwerbehindert gelten. Und schwerbehinderte Kolleginnen und Kollegen haben wir natürlich auch hier bei uns an der Christian-Albrechts-Universität in allen Bereichen, im Bereich der Forschung, im Bereich der Lehre, unter den Studierenden, aber natürlich auch im technisch-administrativen Dienst. Und vielen Kolleginnen und Kollegen sieht man gar nicht an, dass sie schwerbehindert sind, und am Ende spielt das natürlich überhaupt keine Rolle. Und viele der Kolleginnen und Kollegen möchten auch gar nicht, dass der Arbeitgeber oder in diesem Falle die Arbeitgeberin von der Schwerbehinderung oder der chronischen Erkrankung weiß. Das wiederum kann unterschiedliche Gründe haben. Ein Grund kann zum Beispiel sein, dass die betroffenen Personen sagen, ich möchte gar nicht anders behandelt werden, als meine Mitmenschen. Aber, und da wird es ein bisschen kritischer, es gibt auch viele Kolleginnen und Kollegen sich nicht trauen, ihrem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin zu sagen, dass sie schwerbehindert oder chronisch erkrankt sind, weil sie mit Nachteilen rechnen. Und um ischerzustellen, dass scherbehinderte Personen oder ihnen gleichgestellte Personen in der Lage sind, ihre Rechte z.B. auf Nachteilsausgleiche wahrzunehmen, schreibt das Gesetz vor, dass Betriebe, in denen mindestens fünf dauerhaft beschäftigte schwerbehinderte Personen oder ihnen gleichgestellte Personen beschäftigt sind, eine Schwerbehindertenvertretung einrichten müssen. Und das ist natürlich auch bei uns an der CAU der Fall. Und daher freue ich mich heute auf einen ganz besonderen Gast, auf einen besonderen Kollegen, nämlich auf Achim Rahn. Und Achim Rahn ist die Vertrauensperson der Schwerbehinderten bei uns an der Universität. Und er wird uns gleich erzählen, warum er diesen Job überhaupt macht, was seine Aufgaben als Schwerbehindertenvertretung sind und mit welchen Themen er und sein Team sich eigentlich jeden Tag auseinandersetzen, wie die Zusammenarbeit mit den anderen Interessensvertretungen hier an der Universität ist, aber auch wie die Zusammenarbeit mit anderen Schwerbehindertenvertretungen im Land Schleswig-Holstein funktioniert. Und er wird aber auch davon berichten, dass er es leider nicht immer allen recht machen kann, er aber trotzdem versucht, sein Bestes zu geben. Aber bevor wir jetzt in den spannenden Dialog treten ein paar biografische Eckdaten zu unserem Gast.

00:02:58: Curriculum Vitae. Unser Gast im Kurzporträt

00:03:04: Joachim Alexander, genannt Achim, Rahn, ist eine echte Kieler Sprotte. Geboren 1971 in Kiel schloss er dort nicht nur eine, sondern gleich drei Ausbildungen erfolgreich ab: Zum Schiffsisolierer, zum Brandmeister und zum Rettungsassistenten. 1999 stieg dann der CAU ein, war Mitarbeiter beim Wandernden Museum und in der Fahrbereitschaft unserer Universität. Im Mai 2016 wählten ihn die Schwerbehinderten der CAU erstmals zu ihrer Vertrauensperson, um ihn zwei Jahre später in dieser Funktion zu bestätigen, bei nur einer Gegenstimme. Seit Ende 2017 ist er zudem Hauptvertrauensperson der schwerbehinderten Menschen für alle Hochschulen im Land Schleswig-Holstein. Achim Rahn ist passionierter Handball Fan und war nach eigener Aussage als Spieler und Torwart beim TSV Kronshagen nicht unerfolgreich. Seine zweite große Leidenschaft ist die Feuerwehr, auch wenn er heute nicht mehr aktiv ist. Er hat dort alle technischen und Führungslehrgänge absolviert, ist Gerätewart eines Löschfahrzeugs, Jugendwart und Stadtsportwart.

00:03:57: Curriculum Vitae. Unser Gast im Kurzporträt

00:04:02: Hallo Achim!

00:04:04: Hallo!

00:04:05: Ja schön, dass das heute geklappt hat. Ganz kurz für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir kennen uns schon ein paar Tage, deswegen duzen wir uns. Ich hoffe das ist in Ordnung, Achim?

00:04:14: Auf jeden Fall

00:04:15: Sehr gut. So ähm, lass uns mal gleich reingehen in das Thema. Und zwar: Du bist die Vertrauensperson der Schwerbehinderten an der Uni Kiel. Und das Grundgesetz sagt in seinem Artikel 3: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Und deine Aufgabe ist es ja, die Interessen der schwerbehinderten Menschen an der Uni Kiel zu vertreten. Das ist eine ganz schön große Verantwortung für Dich, oder?

00:04:42: Ja, auf jeden Fall. Weil es ist ja so, dass wir ja sichtbare und nicht sichtbare Behinderungen haben. Und ich sage mal, ist es selbstverständlich, wenn wir jetzt jemanden sehen, der im Rollstuhl sitzt, dem halten wir die Tür auf. So sinngemäß. Aber was ist mit den Menschen, die eine nicht sichtbare Behinderung haben? Die brauchen auch Hilfe. Und da kommt man einfach nicht drauf. Und da sind dann eben halt ich und meine Stellvertreter dementsprechend gefragt, um in verschiedensten Situationen darauf hinzuweisen, die Gesetze zu achten und natürlich dann auch Hilfestellung zu geben. Auf die genauen Aufgaben komme später noch

00:05:35: Auf die genauen Aufgaben komme später noch mal. Das Amt der Vertrauensperson der Schwerbehinderten ist ja ein Wahlamt. Das heißt, du hast dich zur Wahl gestellt. 2016 das erste Mal. Warum? Warum hast du dich überhaupt für das Amt beworben?

00:05:35: Es ist so gekommen. Also ich bin schon immer jemand gewesen, der sich für Benachteiligte oder Menschen in Not eben, ja, eingesetzt hat. Und ich bin auch damals in den Personalrat gewählt worden. Und da war dann meine Vorgängerin, damals noch Diana Grimm, jetzt heißt sie Amzoll und sie hat eben halt das Amt aufgegeben und hat einen Nachfolger gesucht. Und hat mich dann persönlich gefragt, weil ich mich bei den Personalratssitzungen wohl sehr oft interessiert habe für eben diese Nachteilsausgleiche, die schwerbehinderten Menschen kriegen können. Und sie hatte mich direkt angesprochen und ich habe kurz überlegt und mich dann mit meiner Familie dann auch abgesprochen, ob ich so ein wichtiges und ehrenvolles Amt aufnehmen soll. Weil vorneweg: Ich selbst bin nicht schwerbehindert. Man muss auch nicht schwerbehindert sein, um dieses Amt auszuführen und deswegen fehlen mir natürlich sehr viele Berührungspunkte. Aber da habe ich dann dementsprechend viele Seminare und Fortbildungen besucht und würde jetzt meinen, dass ich gut vorbereitet bin.

00:06:49: 2016 war ja genau das Jahr, wo es den Wechsel nach einer relativ langen Amtszeit von Frau Amzoll gab und es gab dann 2018 die zweite Wahl. Normalerweise sind das ja, glaube ich vier Jahre, die du im Amt bist. Richtig.

00:07:02: Genau. Da war es dann eben halt so, dass ich erst mal die Amtszeit von Frau Amzoll, ja, beenden musste, weil der Wahltag ist immer alle vier Jahre. Und deswegen musste ich mich da 2018 gleich wieder zur Wahl stellen, was eine total tolle Wahl für mich war, weil, wir sind aus einer sehr geringen Wahlbeteiligung zu einer richtig hohen Wahlbeteiligung gekommen. Es ist eine Wahlbeteiligung von 67 Prozent gewesen, das kann ich einfach mal so erzählen, und eine Stimme habe ich tatsächlich nicht bekommen. Und daran arbeite ich, die 100 Prozent der Schwerbehinderten zu bekommen. Das war, fand ich, für mich und für mein Team, was ich ja eben halt habe, ein toller Vertrauensbeweis.

00:07:55: Das kann man glaube ich auch so sagen. Denn das Besondere jetzt hier in dem Falle ist ja: Du wirst ja tatsächlich direkt von den Menschen gewählt, deren Interessen du dann nachher aktiv vertreten muss. Das ist ja was Anderes, als wenn jetzt irgendwie der Senat einen Beauftragten oder eine Beauftragte für XY wählt, sondern das das kam ja direkt von den Leuten und durch diese zwei Jahre, die du jetzt hattest, also das ist, glaube ich schon ein großer Vertrauensbeweis, den man dir da jetzt auch entgegengebracht hat. Und natürlich eine Bestätigung deiner Arbeit wahrscheinlich, oder?

00:08:25: Ja, also so fühle ich mich auch. Ich bin richtig stolz darüber. Ich war auch richtig erleichtert. Das ist ja immer so, wenn man, eine Wahl ist, eine Wahl und es kann dann eben halt zu Ende sein. Und dementsprechend fand ich es wirklich toll. Und ja, ich mich erfüllt es mit Stolz.

00:08:46: Ich habe mal eine ganz simple Frage: Also du bist ja, und so habe ich dich jetzt auch vorgestellt, die Vertrauensperson der Schwerbehinderten. Irgendwie so in diesem Unikosmos redet man aber immer von der Schwerbehindertenvertretung. Gibt es da eigentlich irgendwie einen Unterschied zwischen der Vertrauensperson oder dem Amt der Vertrauensperson und der Schwerbehindertenvertretung oder ist es eigentlich das gleiche mit einem anderen Namen?

00:09:06: Also die Vertretung, also es ist eben vom Gesetz her so gegeben: Es gibt eine Vertrauensperson und es muss mindestens einen Stellvertreter geben oder eine Stellvertreterin. Und ich habe jetzt eben damals eine Stellvertreterin, die ist leider, hat leider aufgehört und hat die Universität verlassen. Und insofern habe ich jetzt nur noch drei Stellvertreter und wir zusammen bilden die Schwerbehindertenvertretung. Wobei, und das ist halt anders als bei den Personalräten, die Personalräte haben ein großes gewähltes Gremium aus 13 Personen und die wählen denn einen Vorstand. Und aus diesem Vorstand wird dann eben auch der erste, zweite und dritte Vorsitzender oder Vorsitzende eben gewählt. Und bei mir ist es so, dass die Vertrauensperson allein in einem Wahlgang von den Schwerbehinderten und ihnen Gleichgestellte gewählt wird und eben auch die die Stellvertreter. Und die werden halt nach der Anzahl der Stimmen, die sie bekommen haben, gereiht nach erster Stellvertreter und zweiter Stellvertretung, Dritter und so weiter.

00:10:11: Also ich darf dich auch Schwerbehindertenvertretung nennen, auch wenn es eigentlich die Gesamtheit, die Gesamtheit der, des Teams ist?

00:10:20: Genau, genau. Und ich versuche, weil ich mich das wirklich als Teamplayer sehe, dass ich nicht immer rede, dass ich die Vertrauensperson bin. Nein, also wir reden natürlich oft auch über Themen, stimmen uns ab und ich, ich trete als Team auf, also wirklich als SCcwerbehindertenvertretung und nicht immer nur als Einzelperson, als Einzelkämpfer, weil das würde ich auch gar nicht schaffen. Bei der Größe der Universität mit den ganzen prekären Beschäftigungsverhältnissen kommen wir teilweise bis auf 3800 Personen, die wir im Jahr durchschnittlich an der CAU beschäftigen und dann die Aufgaben dazu mit Einstellungsverfahren und und und ... Das würde ich niemals alleine schaffen. Deswegen brauche ich ein Team. Und die müssen auch genannt werden, finde ich. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung.

00:11:08: Du hast das, du hast jetzt gerade so ein paar Aufgaben schon angerissen. Ich habe nämlich tatsächlich auch noch mal in das Sozialgesetzbuch reingeschaut oder in das neunte Buch des Sozialgesetzbuches ist was ja die die gesetzliche Grundlage ist, weshalb es überhaupt diese Schwerbehindertenvertretung an Betrieben ab einer bestimmten Größe gibt. Da steht, zu Euren Aufgaben gehört, die „Eingliederung schwerbehinderter Menschen zu fördern, ihre Interessen zu vertreten und ihnen beratend und helfend zur Seite zu stehen“. Was sind denn so wiederkehrende Probleme oder Herausforderungen, denen du und dein Team so regelmäßigen begegnest? Was ist die konkrete Arbeit, die ihr macht?

00:11:48: Also ich fange einfach mal bei A an wie Ausschreibungen. Also wenn wir jetzt dementsprechend eine Stellenausschreibung jetzt haben: Es ist kein Problem, weil es ist durch einen Erlass geregelt in Schleswig-Holstein, dass wir dann dort reinschreiben, dass ja schwerbehinderte Menschen bei entsprechender Eignung bevorzugt berücksichtigt werden. Das ist nicht das Problem. Aber das Problem ist halt bei den Stellen, wo die Leute arbeiten wollen. Und es kommen eben halt Bewerber, Bewerberinnen, die sich zu ihrer Schwerbehinderung bekennen. Die müssen definitiv ja nichts über ihre Erkrankung, über ihr Handicap schreiben. Und da sind halt die Vorbehalte, die Ängste bei unseren Beschäftigten an der CAU, weil die möchten ja, natürlich, ja, das hört sich immer so blöde an, aber sie möchten ganz gerne jemanden haben, der funktioniert und der gesund ist. Und jetzt sagt ja schon jemand: „Ich habe hier ein Handicap“, und dann spielen sich Ängste im Kopf ab. Diese Ängste zu nehmen, dafür sind wir halt da. Und am besten ist es dann eben, eine Person zu diesem Vorstellungsgespräch mit einzuladen. Und dann können wir halt sehen, welches Handicap vielleicht besteht. Wir fragen natürlich nicht nach, aber wir sehen dann halt, dass es eine ganz normale Person ist. Sie hat den Weg geschafft zur CAU, freut sich, dort und da zu sein und hat keine Vorbehalte, verkauft sich gut und dementsprechend werden sie auch sehr oft eingestellt. Aber gerade diese Vorbehalte zu löschen, das ist das, was wir halt als große Aufgabe haben.

00:13:28: Also quasi konkret Einstellungen von schwerbehinderten Menschen. Die Eingliederung wäre das ja dann in dem Falle.

00:13:37: Genau.

00:13:37: Und jetzt der zweite Punkt wäre ja, die Interessen zu vertreten. Das eine ist ja, ich bin jetzt da an der Uni Kiel und arbeite, sehe aber möglicherweise eine Barriere. Auf dem Campus, an meinem Arbeitsplatz direkt, meinetwegen im Büro. Wie arbeitet ihr dann da, also wenn die Leute jetzt auf euch zukommen? Was ist dann der Schritt, den ihr geht?

00:13:58: Also jeder Mensch hat das Recht, einen leidensgerechten Arbeitsplatz zu haben. Leidensgerecht finde ich, dieses Wort mag ich nicht so gerne. Ich sage lieber Fähigkeitsgerecht und jeder Mensch soll nach seinen Fähigkeiten, Eignung und Neigung auch beschäftigt werden. So, wir werden alle, und das braucht man gar nicht auf Schwerbehinderung jetzt festsetzen. Wir werden alle älter. Viele von uns haben früher keine Brille getragen, plötzlich brauchen sie eine Brille. Dann ist es selbstverständlich, dass wir plötzlich einen vielleicht größeren Monitor einfach bekommen, wo wir die Schriftgröße dann auch vergrößern können, Software haben, das sind so ganz Kleinigkeiten, die jeden Menschen betreffen. Oder eine normale Barriere: Wir haben Studierende bei uns an der CAU, die dann halt eben auch eine Kindererziehung haben, einen Kinderwagen mitnehmen wollen, die dann eben auch da sagen: „Ich habe hier Barrieren auf dem Campus, die Türen sind zu schmal“ und und und. Auf so was achten wir. Das sind ganz viele Sachen, die dann ineinander kehren. Das braucht ein Schwerbehinderter eventuell dann auch, dass wir ein Arbeitsplatz mit technischen Hilfen anpassen müssen. Oder wenn das jetzt wirklich so ist, dass sie nicht mehr die volle Arbeitsleistung erbringen und in einer Art Minderleistung kommen, dass wir dann dort auch für Ausgleiche sorgen können. Und da gibt es die Ausgleichsabgabe beim Integrationsamt, wo wir dann Anträge stellen können, das ist auch eine große Aufgabe von uns, Anträge stellen können und die Beratung dazu, dass diese Menschen dann Ausgleiche erhalten, damit sie dann wieder ihre volle Arbeitsleistung erbringen können. Und das ist auch ein großes Augenmerk auf unsere Arbeit.

00:15:43: Aber das heißt, ihr stellt dann für die betroffenen Personen die Anträge oder unterstützt ihr sie dann dabei, diesen Antrag zu stellen?

00:15:50: Wir unterstützen sie dabei und stellen tut diese Anträge diese Person selber. Also sie muss sie selbst unterschreiben, weil sie die selber braucht oder aber weil das ist bei uns an der CAU so geregelt, dass das Frau Amzoll soll als Außenleistung für die CAU eben halt macht, weil sie auf der einen Seite unsere Beauftragte ist für das Betriebliche Eingliederungsmanagement und eben auch die Integrationsbeauftragte. Sie ist quasi das Gegenpendant jetzt zu meiner Arbeit. Und zwar hat der Arbeitgeber auch dafür zu sorgen, eine Person zu haben, die auf der Arbeitgeberseite schaut, ob auch alles an Rechte und Pflichten eingehalten wird.

00:16:35: Ich glaube, die heißt sogar Inklusionsbeauftragte, oder?

00:16:35: Inklusionsbeauftragte, ja. Integrationsbeauftragte war es früher einmal, bis 2018.

00:16:38: Heißt das für mich jetzt aber zum Beispiel für mich, du hast das ja gerade auch gesagt, wir werden alle älter, irgendwann haben wir auch Einschränkungen, einfach in unserem Alltag oder viele von uns Einschränkungen im Alltag, die, die vollkommen natürlich sind. Könnte ich jetzt, wenn ich, wenn ich Brillenträger bin, auch mich an euch wenden.

00:17:05: Es kann ja sein, dass ich, als normaler Brillenträger wird man noch keine Schwerbehinderung haben.

00:17:14: Darauf will ich hinaus.

00:17:15: Aber es ist immer ratsam, mit uns ins Gespräch zu kommen, um einfach mal den Horizont zu öffnen, um einfach mal zu sagen Mensch, worauf kann ich nicht alles achten. Man nimmt ja sehr viele Sachen einfach so hin. Man sagt einfach Mensch, ah ja, ich habe zwar bisschen Rücken und bisschen Knie, aber mein Nachbar, im Nachbarbüro, dem geht's ja viel dreckiger als mir. So, und ich will es auch gar nicht so hinhaben. Und man schleppt sich so zur Arbeit. und irgendwann kommt vielleicht das böse Erwachen und dann steht dann da ein Prof. und sagt: „Ich bin mit deiner Arbeitsleistung nicht mehr einverstanden. Wir müssen mal reden.“ So und da kann es dann einfach sein, dass es vielleicht schon zu spät ist. Also nicht zu spät für einen Schwerbehindertenantrag, aber einfach schon zu spät ist, weil man vielleicht schon bei seinem Arbeitgeber ein wenig in Ungnade gefallen ist. Und man kann auch wirklich mal mit uns ins Gespräch kommen, um zu schauen, welche Möglichkeiten gibt es denn überhaupt für eine Antragstellung? Ab wann geht dann eine Schwerbehinderung oder was muss man haben, um eine Schwerbehinderung zu erlangen, um eben halt Nachteilsausgleich zu bekommen, damit man wieder am Leben teilhaben kann? Und natürlich auch am Arbeitsleben teilhaben kann.

00:18:33: Ich glaube, das wird das wird ja rechtlich gesehen irgendwie so in verschiedene Stufen eingeteilt. Irgendwie ab dem Grad von 50 Prozent, glaube ich, schwer oder Behinderung gilt man als schwerbehinderter Mensch, glaube ich, oder?

00:18:47: Genau genau. Also man stellt den Antrag beim Landesamt für Soziale Dienste und es geht los, dass man ab einem Grad der Behinderung von 20, man sagt immer nicht Prozent, weil dann hat man immer so von wegen, dann kann ich nur noch 20 Prozent meiner Arbeitszeit erfüllen, das ist immer so bei im Hinterkopf, bei einigen Menschen so drinnen. So sagt man immer nur Grad der Behinderung und es gibt wie gesagt das geht in zehner Stufen 20, 30, 40 und ab 50 hat man dann dementsprechend wirklich eine Schwerbehinderung und hat dann eben auch den vollen Schutz des Gesetzgebers, man bekommt ein Schwerbehindertenausweis, man hat zum Beispiel auch fünf Tage Sonderurlaub im Jahr und man kann unter besonderen Voraussetzungen auch zwei Jahre vorzeitigen Ruhestand gehen bzw. in Rente.

00:19:37: Ich habe noch eine Interessensfrage, oder etwas, was mich jetzt interessiert. Und ich glaube auch unsere, vielleicht unsere Hörerinnen und Hörer. In so einem Bewerbungsverfahren: Kommt es vor, dass Menschen sich ins Bewerbungsverfahren begeben, die über eine Schwerbehinderung verfügen, das aber im Bewerbungsverfahren nicht zur Sprache bringen?

00:19:57: Also das gibt es, definitiv. Man muss sich nicht bekennen, man muss es nicht schreiben in einem Lebenslauf oder einer Bewerbung an sich. Man muss es nicht. Man kann es. Aber wenn man sich nicht dazu bekennt, kann man aber auch nicht die Nachteilsausgleiche, die man hat, dann eben darauf pochen. Danach in die Klage gehen, ich habe ja eine Schwerbehinderung und ich wurde jetzt nicht berücksichtigt. Das geht dann eben halt nicht.

00:20:33: Gut, das ist klar. Aber wenn ich, wenn ich, wenn ich jetzt eingestellt werde, weil das ist ja auch in Ordnung. Also die Motivation zum Beispiel zu sagen, ich möchte eben nicht aufgrund einer Eigenschaft, die eigentlich meine Arbeitsleistung überhaupt nicht beeinträchtigt, also die defacto Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt, ich möchte aufgrund dessen nicht bevorteilt werden. Also so eine, so eine Art positive Diskriminierung, dass man sich deswegen in so ein Verfahren begibt, im Nachhinein dann aber doch sagt na ja, an der Stelle, ich brauch denn dann jetzt vielleicht auch einen Tisch, der hoch und runterfährt oder irgendwie so was, das ist dann aber weiterhin möglich, oder?

00:21:10: Das ist auf jeden Fall möglich. Man kann ja jederzeit dementsprechend sich zu seiner Schwerbehinderung dann eben bekennen. Ganz einfach bei uns. Man nimmt jetzt halt eine Fotokopie des Schwerbehindertenausweises ist oder eben halt eine Fotokopie der Gleichstellung, die man von der Bundesagentur für Arbeit bekommt. Die kann man dort beantragen, weil man einen Grad der Behinderung hat von 30 oder 40, dort beantragen. Dann ist man einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt und das kann man jederzeit eben halt einreichen. Also wir haben es, glaube ich, das ist eine Befürchtung, und zwar: Wir haben über 200 Menschen bei uns an der CAU, die zurzeit gleichgestellt oder schwerbehindert sind. Wenn man das aber jetzt mal widerspiegelt auf die 11 Prozent der schwerbehinderten Menschen, die wir in Deutschland im Schnitt haben, ist es so, dass ich sehr viele Kollegen habe aus dem Bereich von Technik und Verwaltung und sehr wenig Wissenschaftler und so gut wie gar keine Professoren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Professoren und unsere Wissenschaftler einfach gesünder leben und kein Handicap haben, sondern gerade bei unseren Wissenschaftlern mit der prekären Beschäftigungsverhältnissen, ewige Befristungen, kurze Befristung, dass die einfach die Angst haben, die Befürchtung haben, sich zu bekennen und aus dem Grunde vielleicht nachher keinen fortführenden Vertrag mehr zu bekommen. Dieser Angst, glaube ich, besteht.

00:22:49: Und was versucht ihr dagegen zu machen? Also Aufklärung. Ich versuche, ich bin ja auch Teil des BEM-Teams, also des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Darüber machen wir auch sehr oft in den Konventen, in den Fakultäten, ja, da stellen wir uns vor. Und ich versuche dort dann eben auch mit den Dekanen oder mit den Professoren ins Gespräch zu kommen. Selbst bei einem normalen Vorstellungsgespräch, wenn man danach einfach noch mal zusammensitzt, denen meiner Arbeit zu erklären und darauf hinzuweisen, dass ich eben dort etwas sehe. Und die sehen es auch. Und ich versuche einfach immer nur zu sagen, zu bestärken: Meldet euch bei mir. Und das können sie auch machen, also, dass sie zu mir oder zu meinen Stellvertretern kommen, auch von uns Beratung bekommen, ohne dass wir sie in die Schwerbehindertenkartei mit aufnehmen. Das machen wir zum Beispiel auch. Also ich weiß von viel mehr Menschen, die eine Schwerbehinderung haben an der CAU, aber sich eben nicht bekennen wollen, weil sie einfach leider Angst haben vor ihrem Vorgesetzten oder aus anderen Gründen.

00:24:00: Ich meine, man muss sich ja auch immer vor Augen führen: Selbst ein gesunder Mensch kann ja von heute auf morgen auch zu einem zu einem schwerbehinderten Fall werden. Das kann ein Autounfall sein oder mir kann irgendwie ein Ziegelstein auf den Kopf fallen oder so und sofort ändert sich möglicherweise mein komplettes Leben an der Stelle. Also jetzt losgelöst von der Einstellung.

00:24:25: Ja, es gibt auf YouTube ein sehr hartes Video gerade über dieses Thema. Ich war mal überlegt, ob ich das bei einer Personalversammlung der Personalräte einfach mal, einfach mal so einspielen. Das fängt eigentlich an, so mit richtig schönen Situationen. So von wegen: eine Schwangerschaft, man ist im Urlaub, man fährt mit dem Fahrrad in der Natur spazieren, so um mal ein paar Beispiele zu nennen. Und wo man dann denkt, so toll, ja, man fühlt sich einfach so ein bisschen gerade berieselt, man fängt an zu träumen, weil das echt tolle Bilder sind. Na ja, und im Urlaub kommt jetzt einfach mal der Moskito und wupps, danach ist was passiert. Eine Fahrradtour und wupps von rechts kommt leider mal der Traktor. Und danach geht das Video halt weiter. Dann sind das sehr unschöne Bilder, denn auch von den Ausmaßen, was ist denn hat betreffen kann und wie das Leben danach eben auch aussehen kann. Sprich man sitzt im Rollstuhl. Man hat eben nicht mehr alle Funktionen, die der Körper einen gibt. Man kann nicht mehr selber seine Hände bewegen und ist auf Hilfe angewiesen. Und das nur, weil man vielleicht nicht geimpft war, ein Mückenstich oder ein Moskitostich bekommen hat in den Flitterwochen. Und wie tragisch das ist. Ein kleiner Pieks. Naja, es gibt ja es gibt ja auch die, ich sag mal die die nicht sichtbaren Behinderungen, die, die man auch haben kann. Irgendwie eine chronische Erkrankung. Es gehört ja auch damit rein, die mich ereilen kann, wenn ich in dem Falle dann Pech gehabt habe. Ja. Umso wichtiger ist es dann aber natürlich, dass es dann auch die Personen gibt bei uns an der Uni Kiel, an die ich mich dann im Zweifel wenden kann, die dann auch die Interessen wahrnehmen. Ich habe noch mal eine kurze Frage: Du hast vorhin einmal diesen Begriff gesagt Schwerbehinderte und ihnen Gleichgestellte. Was hat es denn damit auf sich?

00:26:22: Ja, also gleichgestellt: Man kann, wie gesagt, wenn man einen Grad der Behinderung assistiert bekommen hat vom Landesamt für Soziale Dienste von 30 oder 40 kann man eine Gleichstellung stellen bei der Bundesagentur für Arbeit. Auch da beraten wir eben hingehend. Diese Gleichstellung bekommt man dann, wenn man von Kündigung bedroht ist oder aber sich bewerben möchte und könnte sich dadurch jetzt eben dementsprechend höhere Chancen ausrechnen. Oder aber, dass man für seinen Arbeitsplatz technische Hilfen zum Beispiel braucht, die dann vom Landesamt für Soziale Dienste, vom Integrationsamt da genau aus Haushaltsabgabe bezahlt werden müssen. Diese drei Gründe oder einen dieser Gründe muss man eben hier vorbringen bei der Bundesagentur, um gleichgestellt zu werden. Auch da, das ist eigentlich recht schwierig, das durchzusetzen. Aber auch das schaffen wir bis jetzt sehr gut an der CAU mit unseren Menschen, die wir dort jetzt, ja den Antrag für mit gestellt haben. Und ja, man hat denn alle Nachteilsausgleiche bis auf drei nachher: Also man kann nicht vorzeitig Rente, man bekommt nicht den Schwerbehindertenausweis und man bekommt nicht den Sonderurlaub. Aber sonst hat man alle die gleichen Rechte und Nachteilsausgleich wie ein schwerbehinderter Mensch.

00:27:47: Die Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten hat eine Besonderheit. Oder anders: In deiner Arbeit gibt es eine Besonderheit, und zwar, das ist auch gesetzlich festgelegt: Du kannst ja frei agieren und unterliegst keiner Weisung durch den Arbeitgeber oder in unserem Fall der Arbeitgeberin, jetzt im Gegensatz zum Beispiel zur Inklusionsbeauftragten als Pendant auf Arbeitgeberinenseite. Hilft dir diese Freiheit in deiner täglichen Arbeit oder würdest du sagen das ist eigentlich, wenn man, wenn man ihnen jetzt ein Strich drunter zieht, auch egal?

00:28:18: Also es hilft natürlich, weil mir dürfte jetzt nicht Frau Meyer als unsere Kanzlerin oder jetzt Frau Fulda als unsere Präsidentin sagen: So, Herr Rahn, ich gebe Ihnen jetzt mal folgendes vor und das haben Sie einzutüten, das geht nicht. Das einzige, die einzige Vorgabe, die ich habe und sie steht bei mir im Sozialgesetzbuch 9 mit drinne, dass ich zusammen mit der Dienststelle über diese Gesetze die es für die Schwerbehinderten gibt, eben halt zu wachen habe bzw. auf diese Umsetzung zu pochen habe. Und dementsprechend ist es für mich gerade mit der mit der eingangs erwähnten guten Wahlbeteiligung und mit der sehr hervorragenden Ausbeute an Stimmen, die ich dann hatte, natürlich eine riesen Rückendeckung, wenn ich jetzt mit dieser Rückendeckung beim Dienststellengespräch bei der Kanzlerin sagen kann, so liebe Frau Myier, ich sehe da jetzt eine Schlechterstellung des schwerbehinderten Menschen, wir müssen reden. Egal über welches Thema. Dann ist das natürlich schon super, wenn ich da was habe. Und ich kann auch dementsprechend offen reden und muss nicht irgendwie Angst haben, dass mir persönlich jetzt irgendetwas passiert. So, also sprich dass ich jetzt irgendwo anders gestellt werde. Ich bin für meine Tätigkeit als Vertrauensperson voll freigestellt. Das bedeutet, ich mache nichts anderes mehr. Wobei meine Stellvertreter immer aus ihrem täglichen Dienstgeschäft rausgerissen werden, wenn da ein Termin ist. Und das ist natürlich für mich ein Riesenvorteil für meine Schwerbehinderten. Ja, für meine Kollegen von der Schwerbehindertenvertretung ist das natürlich schwierig so zu agieren, wie ich es jetzt tue.

00:30:02: Naja gut, dafür seid ihr ja auch ein Team. Also so, dass man dann wahrscheinlich dann das dann auch ganz gut aufteilen kann.

00:30:07: Ja genau, genau.

00:30:08: Es gibt ja nicht DIE Behinderung oder DIE chronische Krankheit, die nach sich zieht, dass möglicherweise Maßnahmen ergriffen werden müssen oder sollten. Gibt es manchmal den Fall, wo Du zwischen verschiedenen Interessen abwägen musst?

00:30:24: Ja, das haben wir gerade so im baulichen Bereich. Der Klassiker: Auf der einen Seite haben wir jetzt eben die Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und auf der anderen Seite haben wir jetzt eben den Menschen mit einer Gehbeeinträchtigung, der jetzt auf dem Rollstuhl sitzt. Man kann es immer ganz kräftig sehen: Wenn man jetzt zu einer Kreuzung kommt, wo auch eine Ampel ist, dann hat man auf der einen Seite diese sogenannte Nullabsenkung eines Bordsteins, damit der Rollstuhlfahrer hervorragenden dann eben halt über diese Kante dann rüberkommt. Und auf der anderen Seite gibt es dann eben diese drei bis sechs Zentimeter hohe Kante, damit der Blinde mit seinem Stock dort gegenschlagen kann und sieht: Oh, hier ist jetzt eine Kante und danach kommt jetzt immer entweder so ein Feld, für uns sind sie gut zu sehen, meistens sind sie so ockerfarbenen weich, mit Rillen und Noppen, das sind dann Ereignisfelder für die blinden Person. Die wissen jetzt :Oh, hier kommt was Neues, hier kommt eine Richtungsänderung. Und daran sieht man das, da der eine braucht dies, der andere braucht das. Und so haben wir das auch auf dem Campus, dass man denn verschiedenste Behinderungen berücksichtigen muss. Und das ist schon eine Hausnummer. Und gerade im baulichen Bereich, nur mal so als Zahl gesagt: Wenn man eine normale Wohnung baut, sind es allein schon 20.000 Vorschriften, die man zu beachten hat. Für Elektro, für Tapeten, wie auch immer. So, und das wird nachher durch diese DIN 18040, das dann Öffentliches Bauen in Gebäuden, und das gibt es ja noch in vier Teilen noch mal kräftiger ausgeschmückt. Und das ist dann auch ein Teil meiner Aufgabe, da dann mit unseren Architekten vom Gebäudemanagement oder von der GMSH drauf zu gucken, drauf zu schauen, ist denn noch alles berücksichtigt worden.

00:32:23: Würdest du dann sagen, dass das im Regelfall dann auch klappt, dass du dann eine Lösung für alle Betroffenen findest?

00:32:28: Also ja und nein. Also manchmal ist es so, dass natürlich gerade Bauliches, das kostet sehr viel Geld. Und manchmal muss man eben halt auch schauen: Okay, wir können nicht an jedes Gebäude, gerade alte Gebäude, die jetzt schon historisch sind, das Zoologischen Museum, da können wir zum Beispiel ja nicht einfach hingehen und sagen, ja, das setzten wir jetzt auch von draußen einen Fahrstuhl dran und dann haben wir jetzt alle Menschen mit Handicap zufrieden gestellt. Geht nicht, weil man muss dann auch schauen, ist es finanzierbar? Passt das halt auch leider mit dem Denkmalschutz zusammen? Brandschutzmaßnahmen müssen natürlich auch mitberücksichtigt werden. Und dann kommt es eben auch mal dazu, dass man sagt: Okay, es geht eben halt nicht mit dem Fahrstuhl. Wir müssen uns was anderes überlegen, was halt kostengünstiger ist. Und dann geht man den Dialog in ein Gespräch und dann muss man schauen, was man denn dort alles machen kann. Ich kriege nicht jede Person zufrieden gestellt, aber wir arbeiten auf jeden Fall sehr gut, glaube ich, was das betrifft.

00:33:35: Gute Arbeit ist auch noch so ein Stichwort bzw. gute Zusammenarbeit. Ihr arbeitet ja als Team der Schwerbehindertenvertretung auch mit anderen Interessensvertretungen hier an der Uni Kiel zusammen. Und wir haben ja relativ viele Schnittmengen, auch in den einzelnen Interessensvertretungsbereichen. Zum Beispiel haben wir eine Gleichstellungsbeauftragte. Wir haben den_die Diversitätbeauftragte, wir haben sogar ein Diversitätsbüro und das Thema Inklusion, Schwerbehinderung spielt da ja auch mit rein. Wie ist denn da die Zusammenarbeit mit den einzelnen Interessensvertretungen?

00:34:07: Also ich finde, die ist sehr gut. Auf der einen Seite sitzen wir alle auf einem Flur im Verwaltungshochhaus auf einer Etage und sehen uns leider jetzt zur Coronazeit natürlich eher auf einer Videokonferenz. Aber sonst ist es einfach so, dass wir einfach mal eine Tür weitergehen können, klopfen können und dort ein wirklich offenes Wort haben. Und wir sprechen uns sehr oft ab. Bei den Sitzungen von den Personalräte sind wir immer mit dabei und haben dort auch ein Rede- und Antragsrecht, nur kein Stimmrecht, weil wir natürlich, klar, keine gewählten Personalräte sind. Das ist super und es ist wirklich immer sehr offen und wir arbeiten in diversen Gremien auch zusammen. Jetzt gerade hat unsere neu gewählte Professorin und Vizepräsidentin, Frau Nele Matz-Lück auch wieder einen neuen Beirat einberufen. Der hat jetzt gerade am Dienstag das erste Mal getagt und da sind wir dann auch ein Teil dabei und werden dann immer versuchen, die Rechte der schwerbehinderten Menschen an der CAU dort zu platzieren.

00:35:15: Das klingt insgesamt nach sehr viel Arbeit und sehr viel Zeit, die du investieren musst. Aber: Wir haben jetzt bis jetzt eigentlich nur gesprochen aus einer Innensicht der CAU. Du bist ja auch außerhalb der Uni durchaus aktiv oder Ihr als Schwerbehindertenvertretung. Und du bist zum Beispiel auch die Hauptvertrauensperson der Schwerbehinderten für alle Hochschulen in Schleswig-Holstein. Und du bist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Hauptschwerbehindertenvertretung beim Land Schleswig-Holstein. Wie kriegst du das denn alles so gewuppt?

00:35:47: Also A: Also gewuppt kriege ich das wirklich, weil wir ein tolles Team sind in der Schwerbehindertenvertretung an der Christian-Albrechts-Universität. Und auf der einen Seite hört sich das jetzt wirklich nach viel an. Ja, na klar. Man hat natürlich diverse Sitzungen und Treffen dadurch mehr. Was aber sehr schön ist, weil man hat dadurch ein riesengroßes Netzwerk. Und warum soll ich etwas Neues erfinden, was vielleicht schon hervorragend an der Europa-Universität Flensburg praktiziert wird? Und wenn wir uns dort regelmäßig treffen, austauschen, Probleme austauschen, Erfahrungen austauschen, so lerne ich und auch da auch meine Kollegen am meisten. Und es ist, ich komme nun zum Beispiel ich nur eine aus dem Tarifbereich, um zum Beispiel mal etwas zu nennen, Beamtenbereich ist für mich eigentlich ein rotes Tuch gewesen. Aber nun sitze ich ja nun gerade im Arbeitskreis der Hauptschwerbehindertenvertretung. Da sind wirklich alle Hauptschwerbehindertenvertretungen aller Ministerien mit dabei. Das ist also wirklich ein riesen Kreis. Und wenn ich dort, weil da sehr viele Beamte sind, wenn ich denn dort jetzt den Kollegen Sven Bareiß aus dem MELUND dann halt mal anrufe und sage: Mensch Sven, wie sieht das aus, ich habe hier ein Problem? Kann er mir da hundertprozentig helfen. Und das schafft schon wieder sehr viel Spielraum, weil ich viel weniger Gesetzestexte sonst wo lesen muss, im Internet recherchieren muss, das vielleicht nicht wieder richtig verstehe. Und nee, das ist denn wirklich durch die Netzwerke eher einfacher als schwieriger. Und deswegen bin ich auch so dankbar, dass ich diese Ämter noch zusätzlich habe und ausüben kann.

00:37:32: Ich hätte noch, ja, zwei vielleicht auch etwas persönliche Fragen an Dich. Du wirst, Du wirst ja relativ häufig so mit Einzelschicksalen konfrontiert, in deiner täglichen Arbeit. Das ist, glaube ich auch Teil der Stellenbeschreibung in em Falle: Nimmst du diese Geschichten mit nach Hause oder schaffst du es, wenn wir jetzt gerade aktuell im Homeoffice sitzen, wenn Du den Deckel vom Notebook zuklappst, das Wohnzimmer dann auch wieder zum Wohnzimmer zu machen?

00:37:59: Nein, das schafft man definitiv nicht. Ich kann da mal aus meiner Vorerfahrung sprechen. Und zwar bin ich 1994, habe ich angefangen, bei der Berufsfeuerwehr Kiel zu arbeiten. Und auch in dieser Zeit wurde das Kriseninterventionsteam in der Stadt Kiel gegründet. Und zwar wirklich für die Fälle, dass man damit traumatische, ja, Geschehnisse, die man eben hat, mit jemanden teilen kann, bereden kann und die können einen helfen. Und das hat mir auch jetzt schon auch weitergeholfen, dass man redet, dass man das nicht verschweigt oder im Alkohol ertränkt, was ja leider auch viele Menschen tun, sondern ich weiß mir denn da zu helfen, ich habe Ansprechpartner. Und auch da ist es immer wichtig, wirklich Menschen zu haben, die zuhören können. Die, die ja das auch mit aufsaugen können, die vielleicht auch selbst betroffen sind, Ratschläge geben. Und wirklich viel ist eben das Reden. Man redet natürlich dort nicht über die Person, ich würde da niemals Namen, Adressen, wie auch immer geben, oder wo man Rückschlüsse ziehen könnten, aber allein, dass man darüber redet, das ist ganz wichtig. Und da ist die Familie wichtig oder eben dementsprechend so was wie das Kriseninterventionsteam. Wir haben jetzt neu die Beratungsstelle Corente auch bei uns an der CAU. Das wäre auch eine Möglichkeit, dass man mit denen dann eben halt spricht. Sonst gibt es, kenne ich das große Seelsorgerteam auch von der Stadt Kiel über die Berufsfeuerwehr und da kann man mal mit reden. Das ist echt toll. Oder vielleicht auch der Psychosoziale Dienst? Auch der Psychosoziale Dienst an der CDU ist natürlich eine Anlaufstelle dafür, na klar.

00:39:51: Jetzt hast Du meine zweite Frage eigentlich schon beantworte. Ich finde es auch echt cool, dass du da jetzt so offen darüber gesprochen hast. Vielen Dank dafür. Grundsätzlich ist so eine Universität ja ein recht diverses Feld. Es liegt an der Natur der Sache. Wir haben Studierende da, wir haben, wir haben Lehrende da, wir haben Verwaltungsmitarbeiter da, wir haben Beamte da, ein Präsidium, dann Interessensvertretungen etc. Und ich habe, also zumindest ist das mein Eindruck, dass an der CAU sich in den letzten Jahren, gerade in den letzten Jahren, sich das Bewusstsein für Diversität schon verstärkt hat und damit natürlich auch die Sensibilisierung für Themen der Schwerbehinderten, nicht zuletzt mit der Verabschiedung vom Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Würdest du diesen Eindruck teilen?

00:40:40: Also wir sind, also wenn etwas divers ist, dann ist das die CAU. Wirklich. Wir haben ja alles. Und das macht es auch interessant. Dadurch ist es immer wieder was Neues. Und ja, wir sind dabei, wirklich den Fokus auf, also alles werden wir nie schaffen, das glaube ich nicht, aber auf vieles zu setzen. Und wir sind immer gesprächsbereit und hilfsbereit und das finde ich es schon mal sehr gut. Und ja, ich glaube, wir sind, was das betrifft, wirklich ein guter Arbeitgeber.

00:41:17: Und ich muss dazu sagen, ich war damals auch beteiligt bei der bei der Erstellung von diesem Aktionsplan. Ich hatte so den Eindruck, dass sich da sehr viele unterschiedliche Gruppen der Uni Kiel zusammengefunden haben und aus ganz, ganz unterschiedlichen Richtungen zusammen gemeinsam an einer Sache gearbeitet haben. Der erste Schritt ist natürlich immer Sensibilisierung für das Thema was, was natürlich auch damit passiert ist. Ich habe es sehr angenehm empfunden und war doch positiv überrascht, dass das auch aus der Universität selber jetzt so eine Art Bewegung gekommen ist, die ja jetzt auch auf fortgeführt wurde mit diversen Arbeitsgruppen, die es noch gibt bei uns an der Uni. Hast du da Erfahrung, wie das an anderen Unis ist oder da mal was gehört? Oder ist das so ein Kieler Ding?

00:42:01: Nee, es ist definitiv kein Kieler Ding. Also wir haben ja viele Aktionspläne, also auch an anderen Hochschulen. Es ist also wirklich, glaube ich flächendeckend fast so, dass es gerade nach der UN-BRK und dem Aktionsplan, den es ja dann auch dementsprechend, den es ja gibt für die für Gesamt-Schleswig-Holstein und dann haben den ja viele Hochschulen ja auch aufgegriffen. Es ist viel gemacht worden. Es gibt immer diese zehn Prozent Schwarze Schafe, die da sagen das geht mich nichts an, ich ziehe mein Ding durch, die wird es immer geben. Leider. So. Aber das Groh glaube ich, ist wirklich das Bewusstsein einfach geschaffen worden dadurch einfach mal zu sehen, mich kann es auch betreffen. Und nein, das sind ja wirklich keine, keine Themen, wo man jetzt denkt, woher ist das jetzt gekommen. Also baulich gesehen ist es immer so finde, ich so einfach zu erklären, dass auf der einen Seite könnte das eine Brandschutzrichtlinie sein, natürlich kann das natürlich auch was sein, dass es jetzt für Schwerbehinderte das ist, das weiß man aber gar nicht. Aber vieles, das läuft so ineinander und man kann ja dadurch ja auch Chancen nutzen, so wie Du sagtest, jetzt an den Gremien dementsprechend was zusammenzuarbeiten. Bestes Beispiel: Wir haben ein älteres Gebäude bei uns an der CAU, haben jetzt auch gerade Brandschutzplan erstellt und da habe ich dann auch mitgearbeitet, da durfte ich mitarbeiten als Vertrauensperson und habe dann die Aspekte der schwerbehinderten Menschen da mitreingebracht. Und dann konnten wir das trotzdem alles umsetzen, das sind keine Zusatzkosten geworden, sondern einfach: Da muss eine neue, breitere Türe eingebaut werden. Okay, die und die Breite würde ausreichend sein, aber für Rollstuhlfahrer machen wir sie jetzt einfach noch mal zehn Zentimeter breiter. Das macht den Kohl nicht fett. So, und dann war das schön, dass wir dadurch alle zusammengesessen haben.

00:44:00: Achim. Ich wäre jetzt glaube ich soweit durch. Hast du noch ein Thema, was dir unter den Nägeln brennt?

00:44:08: Also erst mal möchte ich mich bedanken, dass ich erst mal die Möglichkeit hatte, jetzt an diesem Podcast teilzunehmen, Daniel, das finde ich total klasse. Und ich hoffe natürlich, dass das viele Menschen hören, egal ob mit Handicap oder ohne Handicap und möchte eigentlich ermutigen, dazu Fragen zu stellen. Ruft mich oder eben Stellvertreter von mir an, wenn etwas unklar ist, wenn irgendwie vielleicht jemand Hilfe braucht, wo was ungewiss ist, Mensch steckt da vielleicht etwas hinter? Dass man da mal ins Gespräch kommt. Das kann auch wirklich ohne Nennung, ohne Daten sein. Wichtig ist, dass wir im Gespräch sind und dass wir niemanden vergessen und dass wir ehrlich miteinander sind. Und ja, wir sind gesprächsbereit und nehmt das bitte an und kommt. Und dadurch, dass wir komplett verschwiegen sind, ist das auch, glaube ich, sind wir die richtigen Ansprechpartner für gerade solche Themen.

00:45:11: Achim, jetzt habe ich gesagt:; Wir kommen zum Ende. Das war zwar richtig, aber wir sind noch nicht ganz fertig. Denn wir haben in unserem Podcast so eine kleine Rubrik, die heißt Zehn Fragen an und du kannst ja ungefähr denken, was jetzt kommt, wenn du dich dazu bereit erklärst. Ich würde dir jetzt ganz gerne 10 Fragen stellen, die sind relativ kurz. Und ich bitte dich um eine kurze Antwort und ich werde die einfach so nacheinander weglesen. Und ich würde sagen, wir probieren das einfach mal aus, wenn da nichts gegen spricht.

00:45:39: Ja, sehr gerne.

00:45:42: 10 Fragen an

00:45:43: Schwarzweiß oder Farbe?

00:45:44: Farbe

00:45:45: Backstreet Boys oder Take That?

00:45:48: Heavy Metal.

00:45:49: Ha, dann stelle ich die Frage mal anders: Black Sabbath oder Rammstein?

00:45:54: Dann Black Sabbath.

00:45:55: Wenn du eine Maßnahme sofort und ohne Diskussion umsetzen könntest, dann wäre dies?

00:46:01: Gerechtigkeit für die ganze Welt.

00:46:03: Einzel oder Großraumbüro?

00:46:06: Einzelbüro.

00:46:07: Telefonieren oder E-Mailschreiben?

00:46:09: Telefonieren.

00:46:10: Wenn du nicht Vertrauensperson der Schwerbehinderten wärest, dann?

00:46:14: Dann bin ich wohl hoffentlich in Rente.

00:46:17: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

00:46:19: Es ist für mich immer halbvoll.

00:46:22: Brötchen mit Mett oder Brötchen mit Fisch.

00:46:25: Ich bin Fischkopf. Also auch gerne mit Fisch.

00:46:29: Netflix schauen oder ein Buch lesen.

00:46:31: Ein Buch lesen.

00:46:32: KSV oder HSV?

00:46:34: KSV natürlich.

00:46:38: 10 Fragen an.

00:46:39: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, das war eine weitere Ausgabe von wissen.schafft.dialog. dem CAU-Podcast, heute mit Achim Rahn, die Vertrauensperson der Schwerbehinderten an unserer Universität. Und wenn Sie weitere Informationen zur Schwerbehindertenvertretung an der Uni Kiel haben wollen, dann schauen Sie mal im Internet vorbei unter www.schwerbehindertenvertretung.uni-kiel.de. Und auch heute wieder: Wenn Ihnen diese Ausgabe gefallen hat und Sie weiterhin unserem CAU-Podcast lauschen wollen, dann abonnieren Sie unseren Podcast doch auf den einschlägigen Podcast-Plattformen. Und wenn Sie Kritik, Anmerkungen oder Lob haben, dann schicken Sie uns gerne eine E-Mail an podcast@uni-kiel.de. Bis dahin verbleibe ich mit einem freundlichen Moin und sage Auf Wiederhören!

00:47:25: wissen.schafft.dialog. Der CAU-Podcast.

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